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zweikaempfe

Zweikämpfe

Wie immer zuerst eine kleine Geschichte, dann die Info.

Ansehensbewahrung und stumpfe Gewalt

„Ziegenstoßender Bastard! Dir stopfe ich das Maul!“ Seit einigen Augenblicken war das ganze Zelt auf den Beinen. Krashkol hatte einen Schritt zurück gemacht, die Ohren angelegt und seine Klaue war instinktiv zum Heft seines Dolches gefahren. Ihm Gegenüber war Torrok aufgesprungen. Torrok bellte und fauchte, beleidigte und schrie. Zwischen ihnen war der improvisierte Tisch aus Kisten und Setzschilden errichtet, auf dem Kerzen brannten und Bierkrüge standen. Einige waren bereits umgefallen. Einen Moment lang glaubte Krashkol schon, sein Gegenüber würde ihn anspringen, doch dann mischten sich die anderen ein. Dies war die restliche Truppe, Waffengefährten die man seit vielen Jahren kannte, oder Narbenlose, die erst seit zwei Monden dabei waren. „Beruhig' dich.“ knurrte der skirzgum Siringul, aber Torrok schüttelte den Kopf:„Er hat mich beleidigt. Ich fordere einen rughplak!“ Nun meldete sich der mau'rung'kar, der bisher ruhig gesessen hatte, zu Worte:„Nar.“

„Aber er hat meinen Namen in den Dreck gezogen!“ Torrok war noch immer wütend, angeregt durch den ein oder anderen Krug Schnaps zu viel. Krashkols Einheit hatte Garnisonsdienst und damit viel zu wenig zu tun. Streitereien waren häufig. Der mau'rung'kar zuckte mit den Schultern. Im vollen Zelt war es ruhig geworden. Zwei Dutzend Krieger schwiegen, als er sprach:„Er hat lediglich gesagt, du seist nicht beim Sturm auf die Bresche dabei gewesen.“ Anspannung lag in der Luft. Krashkol konnte es förmlich riechen, denn neben ihm stank ein bleicher Jüngling nach Angstschweiß. Torrok schlug sich auf den Brustpanzer. Perlenketten klackerten auf Lamellen:„Er sagt damit, ich sei ein Feigling, weil ich mich um den Breschensturm gedrückt habe! Seht ihr dieses Abzeichen? Es beweist das Gegenteil!“ Er hob eine andere Kette hervor, an der er seine Feldzugsabzeichen trug. Torrok suchte einfach nur Streit, das wusste Krashkol mittlweile. Den Grund wusste er nicht genau. Vermutlich wollte Torrok sich einfach nur einen Namen machen. Er war neu in der Einheit, Krashkol hingegen schon lange dabei und jener hatte einen guten Namen. Einen Moment lang wägte er ab und dann sah er ehrerbietig zu seinem Hauptmann:„Goth. Ich nehme an.“ Verwunderte Fratzen fuhren zu Krashkol herum und dieser grinste triumphierend. Sollte Torrok seinen Zweikampf haben. Er selbst hatte einen guten Namen, aber dieser hatte in letzter Zeit gelitten. Seit dem er im letzten Frühling lange im Fieber darniedergelegen war, hatte er Gerüchte gehört, die besagten er werde alt. Aber Karshok spuckte aus. Diesen Bastarden würde er zeigen, aus welchem Stahl er geschmiedet war. Der Hauptmann nickte:“ Wenn du annimmst.“ „Zum wie vielten Blut?“ fragte Karshok, noch immer grinsend. Er taktierte. Karshok vertraute auf sein Können, aber Torrok war ebenfalls gut. So konnte er sich als mutig darstellen ohne zu viel zu riskieren, denn er wusste, dass sein mau'rung'kar keine Ausschreitungen zulassen würde. Seinen Worten nach wäre er auch zu mehr bereit. Aber zu mehr würde es nicht kommen. „Zum ersten. Karshok du bestimmst die Waffen. Torrok den Panzer.“ „Keinen Panzer.“ bellte Torrok. Er war mutig und voller Hass, aber nicht sonderlich gerissen. Karshok gab ihm noch ein oder zwei Sommer, wenn er nicht bald verstehen würde, dass es mehr brauchte als einen starken Schwertarm, um zu überleben:„Keine Faustschilde, keine Schilde. Keine Dolche. Nur Schwerter.“ „So soll es sein.“ mit diesen Worten erhob sich der mau'rung'kar, nahm sich eine hashat aus dem Waffenständer und drehte sie um:„Dann lasst uns hinaus gehen. Bringen wir es hinter uns.“ Der Schaft des Dornenschinders würde als Richthilfe dienen, um die beiden notfalls auseinander zu bringen. Nach Momenten des Schweigens kam wieder Leben ins Zelt. Die Krieger begannen eilig Wetten zu schließen, andere halfen den beiden Kontrahenten aus ihren Panzern, ehe sie, nur in Pumphosen gekleidet, mit den Schwertern in den Klauen, hinaus gingen. Wieder grinste Karshok. Zeit einem aufstrebenden Großmaul zu zeigen wo es hingehört.

Hintergründe zu jugporandorischen Zweikämpfen

In Jugporandor unterscheidet man zwischen zwei Arten des Zweikampfes: Dem kriegerischen Zweikampf zwischen zwei Fronten und dem Ehrenhändel, einen so genannten rughplak.

Im obigen Beispiel handelt es sich um letzteres. Der rughplak ist eine uralte Tradition und gilt als Lösung für kleine bis ausschweifende Rechtsstreite. Krieger, die darauf beharren, können so beispielsweise auf Beleidigungen und Anschuldigungen reagieren. Der rughplak gilt im Rechtsfall, wobei er vom Richtenden gestattet werden muss, als Götterentscheid. Ehrenhändel sollte man natürlich nicht falsch verstehen, da Orks keinen modernen Ehrbegriff haben. Man setze Ehre mit Ansehen gleich, dann passt es wieder. Eine Beleidigung schabt am Ansehen des Beleidigten und so kann er sein Ansehen wieder reinwaschen. Ein Krieger kann nur einen anderen von gleichem oder niedrigerem Rang fordern. Es kam schon vor, dass Höhere gefordert wurden - sogar Hauptleute - und sogar annahmen. Aber in vielen Fällen wurde dies einfach als Drohung an denjenigen angesehen und offiziell bestraft.

Einen rughplak abzulehnen gilt als Gesichtsverlust. Auf der anderen Seite mögen Orks das Beweisen von Stärke: es bringt also herzlich wenig Ansehen, wenn ein mazauk einen skirzgum in den Dreck tritt. Schwache, Kranke und Verwundete können oftmals Ersatzmänner stellen, falls sie welche haben. Dies ist kein offizielles Recht, aber durchaus usus. Die Länge des rughplaks wird auf zwei Arten begrenzt: entweder über die Zahl der Aufeinandertreffen oder über die Schwere der Verwundung. Beim Aufeinandertreffen wird folgendes gewertet: Kämpfe sind zumeist ja keine durchgehenden Schlagabtausche, sondern sie bestehen aus viel umkreisen, positionieren, fintieren, dann ein paar schnellen Angriffsserien und einem Auseinandergehen, falls kein Ergebnis erfolgt ist. So ein Waffengang zählt als Aufeinandertreffen. Für kleinere Streitereien können es drei sein, für schwere sechs oder sieben, für besonders schlimme zwölf. Oder man wertet die Schwere der Verwundung. Für kleine Streitereien kämpft man bis zum ersten Blut. Für schlimmeres, bis einer von beiden kampfunfähig ist, also entweder eine schwere Wunde hat oder ihm beispielsweise der Arm gebrochen ist. Selten sind Kämpfe bis zum Tod.

Bei der Bewaffnung und Panzerung unterscheidet man ebenfalls. Dies differenziert von Einheit zu Einheit, Region zu Region. Unter Schwerttragenden ist das Schwert typisch. Skirzgum untereinander nutzen gerne Dolche, mazauk gegen mazauk bloße Fäuste. Zum Schwert kann auch der Buckler hinzu kommen, solange ausgemacht. Seltener, gerade unter Niedrigrangigen, sind Kämpfe mit dem Lanzenschaft, also bloße Stockkämpfe. Die Panzerung wird meist abgelegt, da es so leichter ist, eine blutende Wunde zu erzeugen. Kämpfen zwei Gerüstete gegeneinander, entstehen Wunden meist an schlimmeren Stellen (Gesicht, Schritt, Achsel). Also wird meist ungepanzert gefochten, nur bei schweren Fällen in Rüstung. Reglementiert wird das Ganze vom Richtenden, meist mit zur Hilfenahme eines Lanzenschafts. Die Regeln sind denkbar einfach: wenn das Ziel erreicht ist, geht man auseinander - sonst wird der Lanzenschaft zum Einsatz kommen. Fremdhilfe und weitere Waffen sind verboten, ansonsten ist alles erlaubt. Es gab schon Kämpfe, bei denen das erste Blut zwei ausgedrückte Augen waren.

Neben dem rughplak gibt es Zweikämpfe bei militärischen Auseinandersetzungen. Bei Belagerungen wird dies gern gemacht, oder vor Schlachten. Zweikämpfe dienen der Eigendarstellung, dem persönlichen Ruhm (und Reichtum). Nebenbei können sie feindliche Truppen verschrecken und die eigenen ermutigen. Gerade bei freien Sippen ist der Zweikampf sehr geläufig, denn hierbei können Streitereien ohne großes Blutvergießen abgehandelt werden. Beispielsweise haben Steinlebern und Kahlgeier Krieg, der aus einem Viehraub entgangen ist. Man könnte sich nun gegenseitig umbringen, was selbst die Siegereseite stark schwächen und anfällig für Dritte machen würde - oder man lässt zwei Vorkämpfer gegeneinander antreten. Aus diesem Grund gibt es auch reisende Vorkämpfer, die sich anwerben lassen, wobei dies bei manchen Sippen auch verpöhnt ist.

Auch Throqush nutzen Zweikämpfe im Krieg, aber aus erstgenannten Gründen. Unterschied zum rughplak ist, dass es fast immer zum Tod eines Kontrahenten führt. Manchmal wird die eine Seite auch nur brutal verstümmelt. Darüber hinaus gibt es keine Regeln, auch nicht zur Bewaffnung und Panzerung. In manchen Gegenden sind trotzdem Lanzen die traditionelle Duellwaffe, in anderen Krummschwerter, aber oftmals geht es mit allem los, was man daher bringt. Gute Zweikämpfer sind viel Silber wert und hoch angesehen. Sogar bei kleineren Gefechten kommt es zu Zweikämpfen. Wenn zwei Hundertschaften zum Geplänkel aufeinander treffen und der Vorstreiter der einen, den der anderen niederschlägt, kann dieser Moralverlust kampfentscheidend sein. Natürlich laufen Zweikämpfe nicht immer fair ab - und wir reden bei fair nicht vom versteckten Dolch, denn der gehört zum guten Ton. Es gab schon Zweikämpfe, bei dem zuerst Gefolgsleute des einen eingriffen, dann Gefolgsleute des anderen und am Ende artete es in genau der Schlacht aus, die am Anfang vermieden werden sollte.

zweikaempfe.txt · Zuletzt geändert: 2014/02/17 23:57 von najat