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schwarzpulverwaffen

Schwarzpulverwaffen in Jugporandor

Zur Einstimmung ein kleiner Story-Text, dann harte Fakten.

Rauch und Feuer

Es stank. Natürlich stank es, Schlachtfelder stanken immer und zwar nicht nach Ruhm und Ehre wie es die Geschichten erzählten, sondern nach Scheisse, Erbrochenem, zerfetzten Gedärmen und Tod. Buklar, ein vierschrötiger Veteran der schon für die Throqush kämpfte als Tru'Mal noch das Zentrum der Macht war, kauerte Dreck, hinter einer natürlichen Bodenerhebung. Es war nicht viel: Die Straße hinter der Buklar und seine Einheit lagen, war lediglich einen Schritt höher als die umliegenden Wiesen und Felder, aber dieser Schritt machte viel aus. Während Buklar und die erfahrenen Krieger einfach dort lagen, pressten sich die Jungen regelrecht an den Boden und er fragte sich, ob der Gestank von einem Toten kam, dessen Muskeln sich nach dem grausamen Ableben unweigerlich entspannt hatten, oder von dem jungen Slaitul'hai neben ihm. Hundert Schritt vor ihnen stand der Feind, in einem dichten Pulk, vor dem einige Schützen ausgeschwärmt waren. Gerade war es verhältnismäßig ruhig. Manchmal schlug irgendwo ein Pfeil ein oder ein Handrohr donnerte, aber es wurde weder gestürmt, noch gerannt. Seit über einer Stunde dauerte die Schlacht an. Zuerst hatten die Krumnazt, die Schergen Shaljors, verbissen die Straße gehalten, um anderen Truppenteilen das rasche Vorankommen zu ermöglichen. Die letzten Tage war schwerer Regen gefallen und so war die Wiese ein regelrechtes Matschfeld, aufgewühlt von etlichen hundert Stiefeln und auch den nackten Füßen der niederen Soldaten. Dann stürmte Buklars bol'maubûr. Ihr wilder Angriff warf die Verteidiger zurück, dann ließ ihr maubûrdan ein weiteres Mal stürmen. Sie kamen über das offene Feld, fielen durch Pfeile und Bleikugeln und wurden zuletzt von den Lanzen des Feindes zurückgeworfen. Buklar hörte in der Ferne Kriegslärm. Im nahen Wald traf Stahl auf Stahl, hin und wieder blitzte ein Handrohr auf und einmal sah er sogar am Waldrand wie eine Tonkugel zerbrach und in einer Wolke aus Feuer zerplatzte. Sie selbst schossen nicht. Die Handrohrschützen hatten ihre Waffen geladen, manche kauten auf den Lunten herum, was ihren Blick trübe machte, aber den Stress der Schlacht nahm. Wenn ein Maur'ung'kar, ein Unterführer, dies sah, schlug er die Schützen pflichtbewusst mit einem schweren Holzprügel: Verdammte Luntenfresser! Der Feind ist direkt voran, hört auf damit! Buklar selbst beneidete sie - wie gerne hätte er seine Sinne vernebelt indem er die merkwürdigen Inhalte der Lunte zerkaute und schluckte. Doch mit einem Mal kam Bewegung in den Haufen. Die Mau'rung'karu hatten wohl unter sich ausgemacht, wer führte und so sprang ein tüchtiger Kerl in einem mit Messing beschlagenen Lamellar auf und zog das Krummschwert. Neben ihm quälte sich ein Trommler aus dem Matsch. Der Bannerträger stand sowieso, immerhin war es ihm nicht erlaubt sich niederzulegen. Zweimal schlug die Trommel und instinktiv sprang Buklar auf, dem folgend, was man ihm in seiner Jugend eingeprügelt hatte. Mehr Pfeile flogen und ein einziger Krieger sank zu Boden. Sammeln! Gepanzerte voran! Gashataru dahinter! Offene Ordnung! keifte der Mau'rung'kar und ehe man sich versah stiegen sie auf die Straße hinauf, marschierten darüber hinweg und auf den Feind zu, nachdem der Trommler ein einziges Mal laut schlug. Buklar marschierte in der dritten Reihe, die Lanze an die Brust gepresst, den Blick gesenkt um die Chance zu veringern einen Pfeil ins Gesicht zu kriegen. Diesmal stürmten sie nicht, sie marschierten rasch, aber in guter Ordnung und auf dem Marsch, diesen blutigen hundert Schritt, bellte der Mau'rung'kar weitere Befehle: Wenn ich Gashat brülle, stürmt ihr Schützen voran. Ihr feuert - es wird nah sein, also beeilt euch. Dann macht ihr Platz, wir gehen rein! er ignorierte, dass sein rog'votak, sein Leibwächter einen Pfeil in den ungeschützten Nacken bekam und fiel. Die bol'maubûr stampfte voran. Pfeile glitten zumeist an Panzern ab und die wenigen Büchsenschützen der Krumnazt verschwendeten in der Furcht ihre Schüsse auf lange Distanz. Ein einziger tapferer des Feindes sprang voran. Zwei Pfeile verfehlten ihn. Offensichtlich wollte er sich einen Namen erlangen indem er den Mau'rung'kar niederschoss, also ging er zahlreiche Schritt vor der eigenen Schar auf die Knie, zielte und schoss. Mit einem ohrenbetäubenden Krachen entlud sich seine gashat, doch war es nicht der Befehlshaber der zu Boden ging, sondern der Schütze selbst: Im Verlangen den Mau'rung'kar zu erwischen und auch noch seinen Panzer zu durchschlagen, hatte er seine gashat mit einer zu großen Menge Pulver befüllt und anstatt dem Feind den Tod zu bringen, zerplatzte die Waffe in seinen eigenen Klauen, lediglich zwei blutige, zerfetzte Armstümpfe übrig lassend. Die Krumnazt waren ein dichtgedränger Pulk, keine wohlformierte Schlachtordnung. Links außen fiel ein Gepanzerter, als ihm eine gashat den Brustpanzer durchschlug. Und mit einem Mal konnte Buklar die Fratzen des Feindes erkennen, den Hass - aber auch die Furcht in ihren Augen. Diese zerlumpten Maden und Ratten, die Shaljor aus allen Erdlöchern des nördlichen Jugporandors gezogen hatte. Gashat! brüllte der Mau'rung'kar und mit einem Mal stürzten die Schützen voran, keine zwanzig Schritt mehr vom Feind entfernt. Manche fielen auf die Knie, andere klemmten die grobschlächtigen Konstrukte unter die Arme. Die Lunten küssten das Schwarzpulver und mit einem Mal erbrachen sich die primitiven Feuerwaffen in einem Schwal aus dichtem Rauch. Buklar konnte es nicht sehen, wusste aber, dass sie auf solch kurzer Entfernung tödlich waren. Die vorderste Reihe des Feindes wurde förmlich zerrissen und plötzlich lautete der Befehl nurnoch: Shatarag! Shatarag! Shatarag! Beständig dröhnte de Kriegstrommel. Buklar schrie und stürmte, in die Schwaden aus Pulverdampf, der in den Augen und der Lunge biss.

Am Abend saß Buklar an einem Lagerfeuer, fraß das Fleisch eines erschlagenen Krumnazt und kaute auf einer Lunte herum, die ihm die Sinne vernebelte, wie der Pulverdampf die Sicht.

Pulverwaffen in Jugporandor

Orks sind ein brutales Volk, deren Hauptaufgabe im Leben der beständige Krieg ist: gegen Menschen, Zwerge oder andere Klans und Orkreiche. Zwar haben sie selbst keine Wissenschaften, aber sie sind erfahrene Handwerker, die gerne herumtüfteln und vorallem gut darin sind Dinge zu immitieren. So war es bei den Plattenpanzern, so ist es bei den Feuerwaffen, die sich aus dem nördlichen Jugporandor verbreiteten, wo die Grenzen zu Menschen und Zwergen nah beieinander sind. Seit etwa einer Generation gibt es unter den Schwarzblütern Schwarzpulverwaffen - zuerst waren es nur geklaute, doch man hat die Konstruktionen rasch durchschaut und selbst nachgeahmt.

Im Großen und Ganzen gibt es drei Arten von Feuerwaffen:

  • Die gashat - Feuerlanze - das Handrohr
  • Donnerkugeln und Feuerkugeln

1) Die gashat

Die wohl verbreiteste Feuerwaffe ist die gashat, ein einfaches Handrohr. Im Prinzip ist es nur ein Schaft mit einem Lauf, der ein Loch hat zum zünden. Gezündet wird mit Lunten, Abzüge oder dergleichen gibt es nicht. Gashat sind eine Neuheit und eine Bereicherung der Kriegsführung - aber keineswegs krempeln sie die Kriegsführung im Allgemeinen um, denn so viele Vorteile sie haben, so viele Nachteile haben sie auch.

Zuerst die Vorteile:

  • auf kurze Distanz (unter 20 Schritt) durchschlagen sie die meisten Panzer
  • die Handrohre an sich sind günstig in der Herstellung
  • jeder kann den Umgang rasch erlernen

Nachteile sind hingegen:

  • die Kraft lässt rasch nach, genauso die Genauigkeit: weiter als 60 Schritt sind sie nicht zu gebrauchen und auf Distanzen über 40 Schritt durchschlagen sie kaum eine Rüstung (vergleiche: ein Bogen hat eine Kernschussweite von 30m und eine gute Nutzweite von 60m)
  • das Nachladen dauert lange, was vorallem in Feldschlachten von Nachteil ist
  • während die Handrohre sehr günstig sind, ist das Pulver sehr teuer, weswegen man damit sehr sparsam umgehen muss

In Folge dessen ist die gashat zwar eine geläufige Waffe in orkischen Armeen geworden (jeder zehnte Throqush-ushatar trägt etwa eine), oftmals werden sie aber anders genutzt als bei den Menschen. Manche nehmen sie als Breschenschläger auf kürzeste Distanz, sie eignen sich aber auch sehr gut für Verteidiger von Befestigungen. Orkisches Pulver ist effektiver als menschliches auf kurze Reichweite, aber es erhitzt die Läufe auch sehr, sodass schnelles Feuern kaum möglich ist. Die Waffe ist nicht nur eine große Gefahr für den Feind, sondern bei falscher Behandlung auch für den Nutzer, weswegen sie sehr gerne niederen Soldaten anvertraut wird. Überhitzt der Lauf oder wird zu viel Pulver geladen, kann es passieren, dass die gashat explodiert und den Träger umbringt.

Zuletzt sollte man erwähnen, dass die meisten gashat zwar dem einfachen, oben beschriebenen Design entsprechen, es aber auch einige, seltene Sonderanfertigungen für Liebhaber, Befehlshaber und Wahnsinnige gibt, die beispielsweise mehrere Läufe aufweisen oder an beiden Seiten einen Lauf haben. Von allen Pulverwaffen ist die Gashat eigentlich die einzige, die allgemeinen Einzug in die Arsenale gefunden hat.

2) Donnerkugeln & Feuerkugeln

Diese Waffen sind weitaus seltener. Sie bestehen aus einer Tonkugel, samt Zündschnur. Die jeweilige Füllung macht den Unterschied. Feuerkugeln gibt es schon länger, aber aufgrund ihrer Besonderheit werden sie hier aufgezählt. Sie enthalten eine brennbare Flüssigkeit (manche Befehlshaber haben sie auch schon mit Lampenöl improvisiert). Die Lunte wird in Brand gesteckt, die Kugel geworfen und wo sie aufschlägt und sich die Flüssigkeit, die sich durch Wasser nicht löschen lässt, verteilt. Durch die Lunte gerät sie in Brand.

Die andere ist die Donnerkugel. Hierbei werden Schwarzpulver und Metallsplitter in die Tonkugel gefüllt: das Schwierige daran ist, dass die Lunte genau dann das Schwarzpulver entzünden soll, bevor die Kugel aufschlägt, aber während sie schon unter den Feinden ist - keine leichte Aufgabe, die gut ausgebildete Leute braucht. Donnerkugeln sind sehr selten und es gibt nur eine handvoll Einheiten in gesamt Jugporandor die sie nutzen - manche davon Söldner, die sich darauf spezialisiert haben. Und auch wenn eine Donnerkugel funktioniert, ist das Preisleistungsverhältnis fragwürdig: sie macht zwar einen Haufen Krach, verängstigt den Feind und Explosion wie Splitter richten sicherlich auch Schaden an, aber das orkische Pulver ist sehr kostspielig und wieviele der Kugeln zerplatzen bevor sie aufschlagen oder erst danach, so dass es keine richitge Explosion gibt?

Wie erwähnt ist diese experimentelle Waffe selten, von fragwürdiger Effizienz und kaum von Bedeutung. Eine lustige Anekdote dazu gibt es jedoch: ein strebsamer Offizier hat einmal versucht die Reichweite der Waffen zu erhöhen. Er ließ gashat von gewaltigem Kaliber anfertigen, die er mit den Donnerkugeln lud. Als die drei armen Probeschützen die gashatu zündeten, schossen sie nicht etwa die Kugeln über eine weite Strecke, sondern die Treibladungen ließen die Donnerkugeln zerplatzen. Probeschützen, Umstehende und der Offizier wurden von den explodierenden Waffen und Granaten zerfetzt. Danach kam nie wieder jemand auf eine solch bescheuerte Idee.

3) Gashgund

Die riesige Feuerlanze ist wohl die seltenste ihrer Art, denn es gibt sie genau einmal. Ihr Besitzer ist ein angesehener, alter Ork, der mit ihr durch die Lande zieht. Die gashgund ist ein gewaltiges Rohr auf einem verstellbaren Holzbock, einer menschlichen Bombarde ähnlich. Der Besitzer, Rikdur, zieht mit seiner Söldnertruppe umher und verlangt Unsummen. Er wird begleitet von einigen Karren, Mutargs, die die Kanone und sonstiges Material transportieren, etwa einem Dutzend Handlangern und noch einmal genauso viele Leibwächter und erneut genauso viele Diener und Huren.

Ein Befehlshaber der Rikdur anwirbt, kann sich glücklich schätzen, denn keine orkische Befestigung hält der gashgund stand. In allen anderen Fällen ist sie allerdings recht wertlos, denn bei Geplänkeln im Wald und auch bei Feldschlachten bringt sie absolut gar nichts. Das Aufbauen dauert Stunden und sie kann etwa zweimal am Tag abgefeuert werden. Jedes Geschoss muss von Steinmetzen zurechtgeschlagen werden (man nimmt Felsbrocken in Ermangelung von solch großen Bleigeschossen) und der restliche Lauf feinsäuberlich mit einer Mischung aus Stroh und Lehm verdämmt werden. Sein Pulver hält Rikdur geheim - und so macht er sich unersetzlich, wieso er auch schon viele verlorene Schlachten überlebt hat. In diesem Fall geht er meist einfach in die Dienste des anderen über, denn wer will so einen wertvollen Ushatar umbringen?

schwarzpulverwaffen.txt · Zuletzt geändert: 2014/02/17 23:46 von najat