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nargothar

Nargothar - Herrenlose Orks

Dieser Artikel handelt von Orks ohne Gemeinschaftszugehörigkeit, den sogenannten nargothar (wörtl. Herrenlose). Gemeinschaften, ganz gleich ob Banden, Sippen, Stämme oder Militärtrupps, werden von Herren jedweder Art geführt. Damit ist auch ein herrenloser Ork(krieger) mit einem Gemeinschaftslosem gleichzusetzen. Das stimmt natürlich nicht bis ins letzte Detail, denn auch nargothar ziehen zum eigenen Schutz in kleinen Gruppen umher.

Wie im Artikel über Söldner bereits beschrieben, sind die Übergänge zwischen Räubern, Sippen, Söldnern und Verstoßenen oft fließend.

Auch hier besteht der Artikel wieder aus zwei Teilen: Einer kleinen Einleitungs-Story und danach harten OT-Fakten.

Bulgur der Nargothar

Manche nannten ihn einen Söldner, andere einen Herrenlosen, einen nargothar. Bulgur scherte sich nicht darum, wie ihn irgendwer nannte, für ihn war nur wichtig, was die kommenden Tage bringen würden. Die letzte Zeit seines Lebens war wahrhaftig keine Gute gewesen. Er stammte von den Astschlangen, einer slaitul'hai Sippe, in der es vor Kurzem einen heftigen Machtkampf gab. Der Häuptling, dem Bulgur aufs Blut die Treue geschworen hatte, war bei der Jagd auf einen ihr Gebiet verheerenden Orkfresser getötet worden. In Folge dessen zerfleischten sich seine ältesten Nachkommen. Bulgur allerdings sah wenig Sinn darin. Für ihn war der Untergang der Astschlangen sicher, also wandte er sich ab und machte sich mit einigen anderen davon, während in den Gassen der Hauptsiedlung sich die diversen Gefolgsleute niederstachen. Bulgur war für seinen Teil weder ein direkter Gefolgsmann, noch niederes Geschmeiss. Er trug einen rostigen Spangenhelm, einen Steppwams und einen starken Speer – mehr als genug für einen fähigen Ork die Welt zu erobern. Ihm folgte der treue Loflokh, ein dürrer Jüngling, der seinen Wurfbruder mitgebracht hatte. Von letzterem hielt Bulgur nichts, aber mehr Klingen erhöhten die Chance da draußen zu überleben. Also marschierten sie eine Weile ziellos durch die Wildnis. Bald hörten sie von einigen Holzfällern einer Sippe, dass Räuber in der Nähe seien. Also überlegten sie sich diesen anzuschließen. Doch Bulgur setzte seinen Kopf durch. Räuber sein hieß im Winter zu frieren und zu hungern. Als nargothar ging es einem ähnlich schlecht. Man war meist in kleinen Gruppen, manchmal sogar alleine unterwegs und somit weniger wehrhaft als selbst dahergelaufene Räuber. Auf der anderen Seite konnte man versuchen sich das Wohlwollen eines Machthabenden zu erarbeiten. Bulgur marschierte also weiter, denn der Winter war fern und es gab keinen Grund, sich mit der erstbesten Truppe abzugeben. Bald kamen sie auf das Gebiet der Schnauzenmalmer, deren Name besser war als ihr Ruf. Beinahe hätten sie sich ihnen angeschlossen. Sie waren schon auf dem Weg zu deren Dorf, als plötzlich ein Reiter des Weges kam. Er trug einen eisernen Lamellar, eingefasst in ranziges Leder, gute Wollstoffe, Messingschmuck und sein Rückenbanner zeigte die Rune Shaljors. Ihm folgte ein halbes Dutzend keuchender Gestalten, die auch allesamt Panzer trugen und Lanzen schulterten. Rotwimpel. Einen Moment lang fürchtete Bulgur sich: Ein hoher Krumnazt war unterwegs und in Eile, also stand etwas Wichtiges an. Vermutlich Krieg. Hielten sie ihn und seine beiden Begleiter vielleicht für Späher? Dann bliebe nur die Flucht durch den Wald. Doch soweit kam es nicht. Der Reiter hielt sogar an, als sie aus dem Weg sprangen und buckelten. „Wer bei den Neun seid ihr?“ „Nargothar, goth.“ zischte Bulgur, sich tief verbeugend. Seine beiden Begleiter waren sogar auf die Knie gefallen. Da lachte der Reiter, sich durch seinen grauen Bart fahrend:„Ein Glück für euch. Die hundestoßenden Throqush kriegen eine Lektion erteilt und wir brauchen gute Krieger. Dort lang.“ er nickte entlang des Trampelpfades, den er gekommen war:„Haltet euch an der Weggabelung rechts.“ Das taten sie und wenig später trafen sie schon auf eine Streife der Krumnazt, auf einen Wagen, der Fleisch und Bohnen brachte. Jäger und Späher streiften gleichzeitig durch das Unterholz. Wenig später kam ihnen eine halbe Hundertschaft Krieger entgegen, die auf Raubzug war, um die Vorräte aufzufrischen. Man bemerkte die Anwesenheit des Heeres, bevor man es sah und bald sahen sie es auch zwischen den Bäumen lagern. Bäume wurden achtlos gefällt und verbrannt, Zelte für die Heerführer aufgeschlagen, während die meisten unter dem offenen Himmel lagerten. Um Bulgur und seine Begleiter scherte sich keiner. Die meisten der Anwesenden waren Rotwimpel, Soldaten der Krumnazt, aber genauso waren Einheimische da, die Fleisch zu horrenden Preisen verkauften, slaitul'hai, die als Sippe ihre Kampfkraft anboten und ein schmuckbehangener Fettsack brachte ein Dutzend Huren und Schläger mit sich. Vermutlich waren auch Spione der Throqush unterwegs, aber es scherte den Befehlshaber der Krumnazt nicht. Wie sich nach nur kurzem Herumfragen herausstellte, fühlte er sich überlegen. Er hatte drei maubûru der Throqush von ihren Verbindungslinien abgeschnitten und alle Zeit der Welt. Dieser Tage versuchte der Feind einen nahen Fluss zu überqueren und genau dabei wollte er sie stören. Da er sich aber strategisch gut platziert hatte, waren die unterlegenen Throqush gezwungen gewesen um ihn herum zu marschieren, während er sich ausruhte und seine Kräfte sammelte. Ein hinkender Aufseher, der Sklaven herumpeitschte, erzählte, sie seien den Throqush ums doppelte unterlegen. Trotzdem wollten die Krumnazt nichts riskieren. Bulgur wusste worauf es hinaus lief. Er wusste, dass es gefährlich war, aber die Chance, die sich bot, war gut. Eine Weile lang saß er unter einem Baum und beobachtete das chaotische Heerlager. Krieger schärften ihre Klingen, andere drehten krumme Dinger, um an Schnaps zu kommen. Lange konnte es zum Kampf nicht mehr sein. Bulgur wägte ab. Sich einer Räuberbande anzuschließen war kaum besser als nargothar zu sein, aber auch bei einer kleinen Sippe war das Leben nicht immer gut. Eine Missernte, krankes Vieh, ein starker Nachbarstamm und schon wäre die gute Zeit vorbei. Hier allerdings sah er eine Chance, denn die Krumnazt warben ganz offen Krieger, die bereitwillig zu ihnen strömten. Schlachten der großen Klans, ganz gleich ob Throqush, Krumnazt oder Thororbaakal, boten Möglichkeiten für herrenlose Krieger. Mit ihnen versuchte man kurzfristig und günstig die Reihen zu verstärken. Bulgur machte sich keine Illusionen: Solche Verbände benutzte man in der ersten Angriffswelle, der Vorhut oder bei besonders gefährlichen Aufgaben. Die Chance dabei zu sterben oder verkrüppelt zu werden war hoch. Auf der anderen Seite konnte man jedoch schnell aufsteigen. Die Zeiten waren hart und wo früher Geburtsklan und Herkunft etwas zählte, war heute die bloße Fähigkeit mit dem Spieß gefragt. Noch am heutigen Abend konnte er ein ushatar der Krumnazt sein. Gerade als er darüber nachdachte, begann eine Trommel zu schlagen. Auf einem Karren stand ein gumbultar, umgeben von anderen Krumnazt, die Banner trugen. Mit lauter Stimme verkündete er ihr Interesse an fähigen Kriegern. Bulgur zuckte mit den Schultern und sah es als einen Wink des Schicksals, also stand er auf, packte seinen Speer und ging hinunter zu dem Befehlshaber, der angeworbenen Kriegern einiges versprach: Wer heute für sie kämpfte, bekam in jedem Fall ein warmes Essen und dürfte in ihren Reihen bleiben. Für jede Nase, die sie in der Schlacht sammelten, erhielten sie gutes Silber und wer tötete, der galt als aufgenommen. „Und wer als erstes die Reihen des Feindes durchbricht, und damit der ash'hashatar wird, den ernennt der Meister zum gajutar und unterstellt ihm eine Klaue voll Krieger!“ Für Bulgur war es beschlossen. Er nahm das einfache Erkennungszeichen aus Zinn, das die Krumnazt austeilten und sah sich nach einem Klingenschleifer um.

….

Die Schlacht war vorbei, die Throqush hatten ihr Troß zurücklassen und sich zurückziehen müssen. Loflokh war tot. Ein Pfeil hatte ihm ein sauberes Ende bereitet, bevor die Kämpfe überhaupt richtig anfingen und damit hatte er Glück, denn die meisten starben langsam und elendig. Bulgur hingegen lebte. Wie es zu erwarten war, trugen die nargotharu die Hauptlast des ersten Aufschlags und dementsprechend hoch waren die Verluste. Bulgur war zwar nicht ash'hashatar geworden, aber er hatte einem einäugigen Throqush den Spieß durch den Unterleib getrieben. Nun hatte er nicht nur eine Nase gesammelt, sondern drei. Eine davon gehörte Loflkokhs Kumpanen. Ein Stoß in den Bauch traf ihn zeitgleich mit einem Axtschlag auf den Kopf. Trotzdem lebte er noch, als die Schlacht über sie hinweg tobte. Bulgur war erstaunt, wie verbissen Schwarz- wie Rotblüter an ihren Leben klammerten. Er lebte sogar noch, nachdem ihm Bulgur die Nase samt Oberlippe abgeschnitten hatte. Bald würde er ein Rotwimpel sein, ein Krieger, der einen Herren hatte und damit den Schutz einer Gemeinschaft. Andere nargothar gingen leer aus, zogen wieder davon, abgeschreckt von den Gefahren. Manche würden sich als Räuber durchschlagen, andere als Handlanger für Händler oder Aufseher. Kälte und Hunger wäre ihr stetiger Begleiter, aber das war nicht Bulgurs Problem.

Nargothar – Herrenlose

Ein Ork ohne Gemeinschaft hat es schwer im Leben. Anfangs stellt sich die Frage, wie der nargothar überhaupt zu einem solchen wird. Wie in Bulgurs Fall können es zum einen interne Machtkämpfe sein. Orks können auch verstoßen werden, wenn das auch eher selten ist, denn Übeltäter werden in aller Regel bestraft. Geht eine Gruppierung vor die Hunde, so mögen manche zu Mächtigeren überlaufen, andere hingegen werden versuchen sich auf eigene Faust durchzuschlagen. Wenn sich genug nargothar unter einem starken Individuum zusammenraufen, können sie leicht eine Räuberbande bilden und wenn eine Räuberbande einem schwächeren Stamm Weibchen und Welpe abnimmt, bildet sich ganz schnell eine neue Sippe.

Häufig sind sie auch entlaufene Sklaven oder Fahnenflüchtige. Für Orks ist der einzig realistische Weg sich erfolgreich in einer fremden Gemeinschaft zu etablieren der kriegerische. Nur selten hört man von großen Handwerkern, die nach langem Herumziehen zu einem guten Leben gefunden haben. Wenn, dann sind es meist Schmiede, die Waffen herstellen. Das Leben der Schwarzblüter ist ein steter Kampf um Ländereien, Vieh und Brüterinnen, was auch jedem klar ist. Der normale Ork weiß in der Regel, dass er etwas wagen muss, um etwas zu erreichen. Die Rekrutierung in der obigen Geschichte ist usus. Mittels nargotharu und anderen Söldnern lassen Kriegsherren schnell und günstig ihre Zahlen anschwellen. In Gegenleistung versprechen sie eine feste Anstellung. Das ist so gesehen kein schlechter Tausch und jeder ist zufrieden – außer eben all jene, die qualvoll auf dem Schlachtfeld verenden.

Nargothar sind oft ausgehungerte und ärmliche Gestalten, weil sie sich am Rande der Gesellschaft herumschlagen. In befriedeten Gegenden sind sie nicht gerne gesehen, denn hier gelten sie als Unruhestifter. Garnisonskommandeure werden, wenn keine Not am Mann ist, nur außergewöhnliche Krieger rekrutieren und dem Rest gegenüber eher feindlich gesonnen sein, weil nargotharu zu Streitereien in Trinkhallen und Raub in den Gassen führen.

Im zivilen Sektor hingegen finden sie vielseitige Anstellung. Orkische Händler nutzen sie als Wachen, Besitzer von Trinkhallen und Hurenzelten auch als Schläger. Hat ein Aufseher ein Problem mit dem der nächsten Siedlung, so wird er unter Umständen einige Herrenlose anheuern, um Stunk zu machen (genau so oft wird man aber auch bereitwillige Klansoldaten finden, die ihre Wimpel dann eben in der Garnison liegen lassen).

Ob und wie nargotharu in Gemeinschaften Anklang finden, hängt ganz von diesen ab. Manche Krieger mögen sie aufgrund ihrer mangelhaften Herkunft verschmähen, andere erkennen, dass sie fähig im Waffenumgang sind – und ein nargothar auf der eigenen Seite, ist immerhin einer weniger auf der Feindesseite.

nargothar.txt · Zuletzt geändert: 2014/09/26 18:17 von prakhum