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Entscheidungsfreiheit des Kriegers

Dem geneigten Orkspieler mag es erscheinen, als habe der gewöhnliche Orksoldat gar keine Wahl, wo seine Loyalitäten liegen und wie der Lauf der Dinge ist. Das ist so gesehen aber nicht ganz richtig - und macht es für Hauptleute umso schwerer, weil mit einem Haufen Kehlenschneider auf verlorenem Posten zu stehen sicher keine gute Sache ist. Wie immer erst ein bisschen Storyblabla, dann spieltechnische Erläuterungen.

Eingeschlossen

Die Lage war ernst. Mehr als nur ernst, das wusste Kildrush. Die Ruine war eingekreist. Vier Dutzend Throqush sahen sich einer Übermacht von mehr als dreihundert Feinden entgegen. Faklakh hatte noch grimmig gescherzt, dass sie mit dreißig Mann mehr einer zweijährigen Belagerung standhalten konnten, aber so war es nicht möglich. Sie hatten zu wenig Leute um die gesamte Mauerlänge zu decken und gleichzeitig den leeren Torbogen zu schützen. Trotzdem hatte man sich hierher zurück gezogen, denn der unzureichende Schutz der Ruine war besser als gar kein Schutz. Verstärkungen war auch keine in Sicht. Sie waren auf sich alleine gestellt. Kildrush lehnte sich über die Brustwehr und sah die Schemen mehrerer Feinde im Wald. Ein Knurren entwich ihm. Neben ihm stand ein skirzgum namens Ylkarsh, ein erfahrener Veteran von neunzehn Sommern. Auch Kildrush war derart alt, aber im Gegensatz zu Ylkarsh kein geborener Throqush. Er war bei den Schwarzklingen geworfen worden und aufgewachsen, bis diese von den Throqush unterworfen wurden. „Los tun wir's. Bulmok, Sark, Duglur und Hogan sind auch dabei. Und noch weitere. Ich sag's dir.“ der Bogenschütze sah sich verstohlen um. Kildrush, auf seine Stangenkeule gestützt, seufzte. Der Anführer der Krumnazt hatte ein Angebot gemacht: Sie sollten ihren mau'rung'kar töten und zu ihnen überlaufen, dann würde ihnen nichts passieren. Das Angebot war nur zu verständlich, denn er wollte die Truppe schlagen ohne seine eigenen Kräfte zu verschwenden. Kildrush wägte ab. Ein entschlossener Angriff des Feindes sollte reichen, um die Ruine zu nehmen, aber vermutlich würde es eine ganze Hundertschaft kosten, im blinden Sturm. Kildrush wollte nicht sterben, aber er hatte Eide geschworen, was er nun auch einwand:„Denk an deinen Schwur.“ „Ich pfeif auf meinen Schwur.“ Ylkarsh mochte die Throqush nicht, obwohl er als einer der ihren aufgewachsen war. Dafür hatte er zu viele Missstände gesehen:„Sie haben dich auf deinen Hauptmann schwören lassen und auf das Jugshon. Aber das Jugshon zählt ja wohl nicht. Die verdammte Rune hat nichts mehr mit den Throqush zu tun, wie sie einmal waren.“ Kildrush kratzte sich unter dem Helm:„Aber du hast auf dein Blut geschworen.“ er machte große Augen:„Denk an die Dämonen und die Qualen. Ich verreck' lieber hier, als für alle Ewigkeit gequält zu werden.“ Nun lachte Späher:„Hab' mich vielleicht falsch ausgedrückt. Wir töten den alten Bastard nicht, wir nehmen ihn, schlagen ihn bewusstlos und werfen ihn vor die Festung. Sollen die Krumnazt den Rest erledigen.“ Kildrush nickte nachdenklich. Er hatte schon unter mehreren Herren gedient, war in Kriegsgefangenschaft gewesen, wo man ihn zwangsrekrutierte, nur um dann irgendwann wieder bei den Throqush aufzutauchen. Vielen Hauptleuten war die Herkunft ihrer Soldaten egal. Sie brauchten Kerle die mit ihrer Lanze umgehen konnten, Befehlen gehorchten und die Reihen auffüllten. Sorgen bereiteten Kildrush nur einige der anderen geborenen Throqush die für ihre Loyalität bekannt waren:„Was ist mit Slugdur, Skirgor und Guldarg? Und den beiden mazauku?“ Die beiden mazauku waren ehemalige Minenarbeiter, die man als zagstauntaru ausgebildet hatte und seitdem waren sie in ihrer naiven Dummheit voller Hingabe. „Wird wohl leichter die sechs Bastarde abzustechen, als die dreihundert da draußen.“ Die Argumente des skirzgums machten Sinn für Kildrush. Er schulterte die Stangenkeule:„Verflucht, dann gehen wir eben.“ Sein Gegenüber grinste:„Na so kenne ich dich, rakh.“ Er ignorierte das Lob:„Hab gehört, der Sold bei den Krumnazt sei schäbig. Die versetzen ihr Silber mit Zinn.“ „Hab gehört, das ist egal, wenn man eine Lanze in den Wanst bekommt.“ „Du hast Recht.“ sie gingen.

Hat der Ushatar die Wahl?

Trotz der Klangebundenheit, die offiziell vorherrscht, ist das gesellschaftliche Gefüge weitaus offenmaschiger. Kadavertreue ist eigentlich nur bei geborenen bzw. als Throqush Aufgewachsenen der Fall und selbst dort nicht immer.

Natürlich können auch Gefolterte aus dem Stillen Viertel sehr hörig ausfallen oder rekrutierte Arbeiter und figataru. Im Großen und Ganzen allerdings wird ein Ork immer eher danach streben, was ihm oder ihr am meisten bringt. Stämme und Sippen schließen sich in umkämpften Gebieten gerne der gewinnenden Seite an und sollte sich ein Kriegsherr als unfähig erweisen, kann es gut passieren, dass ihm die Krieger fahnenflüchtig werden. Um diesem Umstand entgegen zu wirken, gibt es nicht nur eingeprügelte Loyalität und ein umfangreiches Register an Strafen, sowie die Schwurbindung, sondern Hauptleute sind auch stets darauf bedacht ihre Krieger zufrieden zu halten. Natürlich fällt manchmal der Sold aus oder das Fleisch ist verrottet, aber ohne Leitfiguren und Einigkeit zerfallen Armeen.

Wesentlich häufiger als das Überlaufen zu einer anderen Großmacht (z.B. Throqush zu Krumnazt) ist das Gründen eigener freier Söldnerverbände. Solche Haufen, die sich von allem losgesagt haben, können im Niemandsland zu echten Problemen für die slaitul'hai werden und damit auch für die lokale Großmacht, die so etwas unterbinden muss, um Stärke zu beweisen. Throqush nehmen übrigens keine Krumnazt-Deserteure an, sehr wohl werben sie im Zweifelsfall aber Söldner - und dort können auch ehemalige Rückenstecher dabei sein.

Der Blutschwur ist eine zentraler Mechanismus in der Kontrolle von Orks, aber auch den kann man umgehen. Schwüre ergehen normalerweise gegenüber Hauptmann und Klan oder Sippe und der Schwur hält bis zum Tod eines der beiden Schwörenden. Dem Klan kann man leicht entsagen, denn der Schwur beinhaltet ja immer auch, dass der Klan für den Soldaten zu sorgen hat und ob dieser das schafft, ist für den Soldaten subjektiv. Das Problem mit dem Hauptmann erledigt man anders: man darf ihn nicht töten und mit Waffen angreifen, aber man kann ihn sehr wohl fesseln und in einen Fluss werfen, oder aber er fällt aus unerklärlichen Gründen von einer Böschung herab oder ins Feuer. So umgeht man einen Schwurbruch und schon kann man sich frei sagen, eine Söldnertruppe bilden und mehr Sold verlangen, als man usrprünglich hatte.

hat_der_ushatar_die_wahl.txt · Zuletzt geändert: 2014/02/17 15:33 von najat