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fluchen_in_jugporandor

Spielrelevantes Hintergrundwissen: Fluchen in Jugporandor

Erstmal eine kleine Story zur Einstimmung, dann einige Fakten.

Blei, Messing und Hass

Es war ein Vorzeigetag für den jugporandorischen Winter: Kalter Wind schnitt in die Haut, wo man sie nicht unter zahlreichen Schichten aus Wolle, Fell, Leder und Leinen verbarg. Schnee war zu Firn geworden und Frost lag auf den Bäumen, deren Äste sich unter der weissen Last des Winters dem Boden entgegen neigten. Fuchs und Hase hatten sich, hier in einer kleinen Lichtung, die eigentlich beschaulich und friedlich, wenn auch bitter kalt, im Hügelland liegen sollte, ins Unterholz verzogen. Der Winter hatte das Land erstarren lassen, nicht aber ein paar raue Kehlen. Du missgebürtiger Rattenschiss! einer der Sprechenden, besser gesagt Brüllenden, war groß und dürr. Seine Augen funkelten unter einer Fellmütze hervor, als er wild gestikulierte und die Zähne fletschte. Er war nicht alleine, denn hinter ihm standen vier weitere Gesalten, allesamt Schwarzblüter und allesamt waren sie äußerst schlecht gelaunt. Ihre Gewänder wurden von Fellen und Leder dominiert, Panzer trugen sie keine, dafür Bögen, einfache Speere und brutale Keulen. Zu ihren Füßen lag ein großer, bepelzter Leib, ein räudiges Biest von Jagdhund, der durch zahlreiche Narben gezeichnet war. All jene hatte er überstanden, nicht aber den Pfeil der aus seiner Seite ragte. Gegenüber den Jägern stand ein halbes Dutzend aus anderen Orks, die zwar weniger aufgebracht, aber nicht weniger mies gelaunt waren als der ehemalige Hundeführer. Auch sie hatten sich in zahlreiche Schichten aus Kleidung gehüllt, trugen weite Mäntel eng um den Leib geschlungen, Felle aber auch Panzer aus Lamellen, Schuppen und Eisenbändern. Meist war es nur ein Brustpanzer, vielleicht auch Schutlerteile oder Armschienen, die Helme hatten sie sich um den Wanst geschnallt oder gleich daheim gelassen und gegen wärmende Fellkappen getauscht. Sie alle waren bewaffnet, trugen die orkische hashat, starke Hornbögen, Kriegskolben und ihr Anführer sogar ein Krummschwert. Jener war klein und breit, das Haar unter der Fellmütze schon großteils ausgefallen und ergraut. Neben zahlreichen Narben fiel vor Allem auf, dass er nicht gerade ein Gesicht hatte, das zum Spaßen aufgelegt war. Er schien ruhig zu sein, war aber aufmerksam und gespannt, wie ein Bogen kurz bevor jener sein tödliches Geschoss auf den Weg brachte. Wir waren auf heisser Fährte! Bei Godolarks Wolfshetze! der Jäger brüllte. Der Truppführer der Soldaten, der sogar einen gefütterten Mantel hatte, zuckte mit den breiten Schultern: Mir gleich. brummte er. Dir gleich? Ohne darauf einzugehen nickte er auffordernd: Das ist Throqush-Gebiet. Habt ihr überhaupt eine Erlaubnis hier Sklaven zu jagen? Offensichtlich war der Jäger, den Felle von mächtigen Bestien schmückten, derart erbost, dass er seine Worte nicht zügelte: Nar! Wir sind einfach in euer Gebiet gegangen, weil wir siebzig Meilen gegen den Wind gerochen haben, dass ihr zu dumm seid Entlaufene zu fangen. Natürlich haben wir eine Erlaubnis, agd, sogar einen Befehl von… Der Truppführer unterdrückte ein Knurren: Pass auf, Bürschchen, was du sagst. Ich bin gajutar der Schweiflanzen. Der Jäger spuckte aus, riss den Arm hoch und streckte die beiden äußersten Klauen aus, jene die Schwarzblüter nutzten um sich den Hintern abzuwischen: Godorlaks Meute soll auf dich scheissen, Eisenhaut! Ein Krummschwert blitzte und eine Klaue fiel in den kalten Schnee, der bald darauf unter schwarzem Blut schmolz. … … He, goth. die Soldaten hatten in ihrer Patroullie inne gehalten und hockten gerade in einer windstillen Senke. Es war mittlerweile Abend, einige kauten auf Trockenfleisch und eine Feldflasche gefüllt von Branntwein machte die Runde. Hm? der gajutar schien immernoch übellaunig zu sein. War das nicht etwas hart? Die Sklavenjäger hatten immerhin den Befehl Entlaufene zu fangen und Zildok hat ihren Köter erschossen. Na gut, ich fand selbst er sah aus der Entfernung aus wie 'n Schnüffler, aber wenn die Kerle den Befehl vom bol'maubûrdan hatten. Ist mir gleich! Er hat mich verflucht. Du hast seinen dummen Köter schnüffeln sehen aus siebzig Schritt Entfernung? Dann hast du auch seine Klaue gesehen, als er mich verflucht hat, kash? Der ushatar nickte und zuckte mit den Schultern: Ich mein ja nur. Nich' dass du Ärger bekommst. Außerdem hat er nicht'mal was geopfert und soviel Schmuck wie du trägst - da wär eh drauf geschissen! Hotlashdur sagt immer ein Fluch wirkt nur, wenn was dafür geopfert wurde. Und Hotlashdur kennt sich damit aus. Der Veteran knurrte bösartig und damit war das Gespräch beendet

Fluchen in Jugporandor!

Schwarzblüter sind vieles: brutal, kriegstreiberisch, gnadenlos, hasserfüllt, impulsiv und auch abergläubig. Götter gibt es viele und auch wenn man selbst an bestimmte Götter glaubt, kann man sich nie sicher sein, dass die anderen nicht auch eine gewisse Macht haben. Darum gibt es eine kleine, aber feine - oder sollte man eher sagen einfache und brutale - Fluchkultur unter jugporandorischen Schwarzblütern, die sowohl von Klanorks wie den Throqush, als auch von freien slaitul'hai, Räubern, Ausgestoßenen und ähnlichem gepflegt wird.

Geflucht wird grundsätzlich in dem man dem Gegenüber die Klaue zeigt, wobei man nur den kleinen Finger und den Ringfinger ausstreckt. Unter altbewährten Waffengefährten kann man sowas als Spaß hinnehmen - für andere ist es ein Grund einen Kehlkopf heraus zu reissen und darauf herumzutrampeln. Man streckt die beiden Klauen aus - eben jene mit denen man sich auch den Hintern abwischt - und verflucht sein Gegenüber. Meist besteht der Fluch aus einem Gott, Geist oder Dämon, den man anruft und einem Unheil, das dem Gegenüber widerfahren soll.

Beispiele sind:

Bei Pakmikars Bart, mögen Maden in deinen Gedärmen reifen und dich von innen zerfressen!

Bei Scaragrus Zitze, deine erbärmliche Lanze soll nie wieder eine Brut in die Welt setzen!

Oder (um mal einen nicht bei uns verbreiteten Gott zu nehmen, sondern einen angebeteten Waldgeist der Slaitul'hai [den ich gerade frei erfunden hab]): Soll doch Godorlaks Meute auf dich scheißen!

Flüche sind ziemlich bodenständig und handeln meist davon, dass es dem Verfluchten möglichst bald möglichst schlecht gehen soll.

Das sind einfache Flüche, die man gerne bei Kämpfen ausspricht. Ihre Wirkung bleibt zweifelhaft. Wenn ein Ork sicher gehen will, dass irgendwelche höheren Wesen (die im orkischen Glauben meist sehr weltlich brutale Gefühlsregungen haben) sich der Sache annehmen, muss man etwas mehr Einsatz zeigen. Götter tun dem Glauben der Orks nach nichts, weil sie nett sein wollen. Man muss ihnen etwas opfern, um sie milde zu stimmen. Blutopfer sind beliebt und umso mächtiger ein Opfer ist, desto mächtiger ist auch der Fluch. Opfert man einen Bären, Wolf oder gar ein Murtarg ist der Fluch sicherlich mächtiger, als wenn man eine Ratte nimmt.

Das Verfahren ist einfach: Man schlachtet das Tier (oder bringt andersartige Opfer wie Wertgegenstände an die Kultorte der Götter) und fährt darauf mit den Fluchklauen (meist mit dem Blut des Opfers) über ein Objekt, welches man dem Verfluchten untermogeln muss. Wenn ich meine Fluchklauen, mit Opferblut benetzt, in seinen Krug halte und er daraus trinkt, wirkt das (und sei's nur dem Dreck an meinen Klauen wegen). Wenn man nur einen Stofffetzen damit benetzt und jenen ins Marschgepäck seines GEgenübers schmuggelt, ist die Wirkung sicherlich fraglicher.

Außerdem gibt es zwei wichtige Materialien: Blei und Messing. Von Blei wird gesagt, dass es Flüche speichern kann und besser überträgt. Orkische Handrohrschützen verbringen manch einen Abend damit, ihre gesamte Munition zu verfluchen, wenn sie zutief in den Krug geschaut haben. Auf der anderen Seite sagt man, dass Messing vor schlechten Einflüssen schützt. Angesehene Orks mit viel Messingschmuck tragen jenen also nicht nur zur Zierde, sondern auch in der Hoffnung, dass er Flüche aufhält. Da es schwer ist, verfluchte Stofffetzen oder ähnliches im Kampf an den Feind zu bringen, brüllt man hier meist mit der erhobenen, blutbesudelten Fluchklaue dem Gegner seinen Fluch an den Kopf - fest überzeugt dass er wirkt. Alternativ wirft man auch mit Bleikugeln oder spricht Verwünschungen auf die eigene Klinge.

Schließlich kann man auch Flüche aufheben bzw. es probieren, falls das Gegenüber einem noch nicht den Kopf heruntergerissen hat. Hierzu sollte man ein Opfer bringen, dass das Opfer des Verfluchens übersteigt. Man nimmt das Blut und trägt es auf einen persönlichen Gegenstand des Verfluchten, dann vergräbt man diesen entweder im Wald oder wirft ihn in ein fließendes Gewässer, um die bösen Geister loszubekommen. Alternativ kann man versuchen das gewünschte Böse auf einen Messinggegenstand zu übertragen und jenen dann wegzuwerfen bzw. zu verbuddeln. Ebenfalls kann man Schamanen, Hexenmeistern und Kriegspriestern einen Besuch abstatten - allerdings sind gerade Soldaten zumeist jenen gegenüber nicht sonderlich aufgeschlossen und freundlich gesinnt.

Wichtig ist noch: Orks rufen ihre Götter an - im wahrsten Sinne des Wortes. Man glaubt zwar, dass die Götter vieles hören, aber immerhin ist es weit zu ihnen und darum muss man Flüche laut aussprechen oder gar brüllen. Wie bei allem glaubt man, dass mehr auch besser ist. Ein Fluch, bezahlt durch das Opfer eines Bärens, gepackt in einen Bleiklumpen, den man seinem Gegenüber in den Soldbeutel stopft, samt laut herausgebrüllten Verfluchungen hilft am besten.

fluchen_in_jugporandor.txt · Zuletzt geändert: 2014/02/18 13:10 von najat